02.05.2006 :: Frankfurt Senckenberg :: Evolution – Mensch – Kultur - Statement Gerhardt
Der Mensch, so haben wir es in den letzten hundertfünfzig Jahren immer wieder gehört, ist ein gesellschaftliches Wesen. Er hat, wie es seit etwa hundert Jahren mit zunehmender Verstärkung heißt, eine kulturelle Existenz.
Beides ist richtig. Richtig ist aber auch, dass der Mensch ein Naturwesen ist und bleibt. Bei allem, was er sich geschichtlich zu erklären sucht, steht die Natur im Hintergrund. Schon der Ablauf der Zeit ist reine Natur. Gesellschaft ist die natürliche Gattung in einer historisch gewordenen Gestalt. Kultur entsteht, wenn die Natur einer technischen Veränderung unterworfen wird. Zur Technik aber kommt es nur durch den kundigen Umgang mit den Gesetzen der Natur. Und der ist es schließlich auch, der die Kunst möglich macht.
Fazit: Der Natur ist nicht zu entkommen. Alle Unterscheidungen fallen in ihren Geltungsbereich und werden auch in ihm getroffen. Das hat auch der Geist zu beachten, der solche Unterscheidungen trifft und der darin besteht, solche Unterscheidungen zu treffen.
Prof. Dr. Volker Gerhardt
Professor für Praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Philosophie
Unter den Linden 6, 10099 Berlin
Tel: (030) 2093-2831, Fax: (030) 2093-2819
E-Mail: GerhardtV@philosophie.hu-berlin.de
Web: Humboldt-Universität zu Berlin
Foto:©Regina Schmeken
Info: Humanprojekt BBAW
Vita Volker Gerhardt,
geb. am 21. 07. 1944, stammt aus Guben/Brandenburg,
wuchs in Hagen/Westfalen auf und studierte Philosophie, Psychologie und Rechtswissenschaft in Frankfurt und Münster;
dort auch Promotion (1974) und Habilitation (1984).
Seit 1985 Professor für Philosophie in Münster;
1986 Gastprofessur an der Universität Zürich;
von 1988 bis 1992 Leiter des Instituts für Philosophie an der Deutschen Sporthochschule in Köln;
1992 Ruf auf die Gründungsprofessur für Praktische Philosophie in Halle; im Oktober 1992 Annahme des Rufes auf den Lehrstuhl für Praktische Philosophie (Schwerpunkt: Rechts- und Sozialphilosophie) an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften;
seit 2001 Vizepräsident mit der Zuständigkeit für die Akademievorhaben; Vors. der Nietzsche- und der Kant-Kommission der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; Mitglied des Senats der Deutsche Nationalstiftung. Seit Juni 2001 zum Mitglied des Nationalen Ethikrats.
Seit September 2002 Mitherausgeber der Kritischen Gesamtausgabe der Werke Friedrich Nietzsches (KGW).
Von 1997 bis 2002 Vors. der Kommission für die Förderinitiative Bioethik der DFG.
Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Union der Akademien.
Mitglied in der Preiskommission der Alexander von Humboldt-Stiftung sowie der Kernkommission Ethik beim Schulsenator (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport) des Landes Berlin 2005.
Seit dem Sommer 2005 Mitglied der Kommission zur Herausgabe der Schriften von Friedrich Wilhelm Josef Schelling an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Buchveröffentlichungen:
Vernunft und Interesse (Phil. Diss. Münster 1976);
Immanuel Kant (zus. mit F. Kaulbach), Darmstadt 1980;
Pathos und Distanz, Stuttgart 1989;
Friedrich Nietzsche, München 1992;
Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden, Darmstadt 1995;
Vom Willen zur Macht, Berlin/New York 1996.
Selbstbestimmung. Das Prinzip der Individualität, Stuttgart 1999;
“Berliner Geist”. Zur philosophischen Tradition der Berliner Universität, Berlin 1999 (zus. mit R. Mehring u. J. Rindert);
Individualität. Das Element der Welt, München 2000;
Der Mensch wird geboren. Kleine Apologie der Humanität, München 2001;
Immanuel Kant. Vernunft und Leben, Reclam-Verlag Stuttgart, 2002,
Die angeborene Würde des Menschen, Berlin 2004.
Herausgegebene Schriften:
Aufnahme und Auseinandersetzung. Friedrich Nietzsche im 20. Jahrhundert (Berlin/New York 1981/82);
Die Kunst gibt zu denken. Sechs Vorträge über das Verhältnis von Philosophie und Kunst (1981);
Wahrheit und Begründung (1984); Wie finden wir die Zukunft? Münsteraner Vorträge zur Programmdiskussion der politischen Parteien (1989);
Sehen und Denken. Philosophische Betrachtungen zur modernen Skulptur (1990; 2. Aufl. 1997);
Begriff der Politik. Bedingungen und Gründe politischen Handelns (1990);
Perspektiven des Perspektivismus. Gedenkschrift für Friedrich Kaulbach (1992);
Recht und Natur. Beiträge zu Ehren von F. Kaulbach (1992); Fairneß und Fairplay. 15 Vorträge aus drei Semestern an der Deutschen Sporthochschule Köln (1995);
Sport und Ästhetik (1995);
Eine angeschlagene These. Marx 11. These “ad Feuerbach”.
Ringvorlesung an der Humboldt-Universität zu Berlin (1996). Marxismus. Versuch einer Bilanz (2000) Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra (in der Reihe Klassiker auslegen) (2000);
Aufbau und Aufbruch. DDR-Philosophie 1945-1956 (2000);
Immanuel Kant: Zum Vergnügen (2003);
Mitherausgeber des Jahrbuchs Politisches Denken, des Jahrbuchs Nietzsche-Forschung und des Philosophischen Jahrbuchs;
Herausgeberbeirat Kant-Studien, Philosophische Praxis, New Nietzsche Studies.
Herausgeber der Reihe Erfahrung und Denken (Berlin).
Aufsätze zur Ethik, Politik und Ästhetik, zur Philosophie Nietzsches, Kants und Platons.
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