19.10.2006 :: Warschau DHI :: Polen, Deutschland und Rußland - Statement Wolff-Powęska
Die Politik Polens gegenüber seinen Nachbarn Deutschland und Russland ist an der Schwelle des 21. Jahrhunderts in eine Krise geraten, die nicht nur gründliches Nachdenken, sondern auch unverzügliche Entscheidungen zu deren Überwindung erfordert. Das erwarten nicht nur die Menschen, auf deren Unterstützung die Außenpolitik in einem demokratischen Staat angewiesen ist, sondern verlangen auch die in Europa eingegangenen Verpflichtungen. Die gemeinsamen globalen Herausforderungen, vor denen alle uns berührenden Länder stehen, spielen eine Rolle. Im Interesse der europäischen Integration und der Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit gewinnt eine fruchtbare Entwicklung der Beziehungen Polens zu Deutschland und zu Russland eine Bedeutung, die man gar nicht überschätzen kann.
Die gegenseitigen Beziehungen dieser drei Staaten werden durch eine Asymmetrie gekennzeichnet: Während sich die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland dynamisch entwickeln, weisen die Beziehungen Polens sowohl zu Deutschland als auch zu Russland entgegengesetzte Tendenzen auf. Zwar berührt die Verschlechterung des Dialogs in den letzten Jahren nicht die Kontakte der Bürger, die insbesondere zwischen Polen und Deutschen durchaus intensiv sind, doch beeinflusst sie den institutionalisierten Dialog der maßgebenden politischen Akteure und ihres intellektuellen Anhangs.
Die Allgegenwart historischer Argumente in der polnischen Politik gegenüber den beiden Nachbarn, die wachsende Rolle der Wirtschaft in der Außenpolitik Russlands, der Mangel an gegenseitigem Vertrauen, die Neigung, sich von Emotionen statt von echten Interessen leiten zu lassen – all das sind Phänomene, die zu Fragen Anlass geben:
Wie weit berücksichtigen die Regierungen die wirklichen Interessen ihrer Staaten?
Von welchen strategischen Zielen lassen sie sich in den bilateralen Beziehungen leiten?
Welche Instrumente setzen sie bei ihren Aktionen ein?
Wo liegen die Gründe für die Schwierigkeiten und wie kann man einen Ausweg aus der Krise finden?
Prof. Dr. hab. Anna Wolff-Powęska
Professorin für Geschichte
Adam-Mickiewicz-Universität und
Instytut Zachodni Poznań
ul. Jarosława Maciejewskiego 6/1
Pl 61606 Poznań
Polen
Tel. und Fax:—Email poweska@iz.poznan.pl
Web http://www.iz.poznan.pl/
Vita
geb. 1941 in Tarnopol
Studium der Geschichte an der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań
1964 Magister
1964 – 1969 Geschichtslehrerin in Poznań
seit 1969 tätig im Instytut Zachodni, Poznań
1970 Dr. der Humanwissenschaften
1976 – 1977 Stipendium der Alexander von Humboldt – Stiftung in Bonn
1980 Habilitation
1986 Professorin für Politische Wissenschaft
1990 – 1995 Lehrtätigkeit an der Juristischen Fakultät derAdam-Mickiewicz-Universität Poznań
1990 – 2004 Direktorin des Instytut Zachodni
Forschungsgebiete
Deutsche Geistesgeschichte und deutsch-polnische Beziehungen
Politik und Kultur Ostmitteleuropas
Wichtigste Mitgliedschaften
1994 – 2000 Polnische Ko-Vorsitzende des Deutsch-Polnischen Forums
1994 – 2004 Jury des polnischen und des deutschen Außenministeriums für dieAuszeichnung von Beiträgen zur binationalen Verständigung
Societas Jablonoviana e. V. Leipzig
Ausschuss für die Politische Wissenschaft der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Förderkreis der Viadrina-Universität
Ausgewählte Publikationen
Die Doktrin der Geopolitik in Deutschland (poln.), Poznań 1979
Politische und philosophische Strömungen des Konservatismus in der Bundesrepublik Deutschland (poln.), Poznań 1984
Das deutsche politische Denken im Zeitalter der Aufklärung (poln.), Poznań 1988
Das gemeinsame Europa. Mythos oder Realität (poln.), Hrsg., Poznań 1990
Die Polen und die Deutschen. Aus der Geschichte der politischen Kultur der Volksrepublik Polen (poln.), Poznań 1993
Die gezähmte Revolution. Ostmitteleuropa im Prozess der Demokratisierung (poln.), Poznań 1998
Polen in Deutschland. Integration oder Separation (Mithrsg.), Düsseldorf 2000
Raum und Politik. Aus der Geschichte des deutschen politischen Denkens (poln.), Anthologie, Mithrsg., Poznań 2000
„…und Deinen Nächsten“. Die Kirchen in Deutschland und die „Judenfrage“ (poln.), Poznań 2003
Zwischen Rhein und Bug in Europa (poln.), Wroclaw 2004
Nachbarn auf Distanz. Polen und Deutsche 1998 – 2004, Mithrsg., Wiesbaden 2005.
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Prof. Dr. hab. Anna Wolff-Powęska