25.10.2005 :: Mainz Kurfürstliches Schloß :: Wissen und Macht - Statement Fried
Wissen und Macht –
Wie und wozu entstehen gesellschaftliche Eliten?
Königsmacht und Wissensdistribution
Königshöfe sind – so die These – die treibende Kraft der Verwissenschaftlichung und wissenschaftlichen Professionalisierung des Abendlandes schlechthin, Wissen und Macht daher stets untrennbar miteinander verbunden.
Den Ausgangspunkt der Überlegungen stellt der Hof Karls des Großen dar: Hier wird die enge Verbindung, ja das wechselseitige Verhältnis zwischen Macht und Wissen grundgelegt. Karl der Große macht die Wissenspflege zur Reichsangelegenheit, sein Hof darf daher als das archetypische höfische Wissenszentrum betrachtet werden. Der Hof wird zugleich Wissens- und Verteilungszentrum von Wissen. Die geistige Elite sorgt sich nicht allein um das Wissen, sie stellt zugleich die wichtigsten Ämter, die sich jetzt auszudifferenzieren beginnen. Zeigen läßt sich daher einerseits das Bedürfnis des Hofes nach Wissen. Anderseits kann verdeutlicht werden, daß das hier produzierte Wissen seinerseits von den strukturellen Möglichkeiten des Hofes geprägt ist und von dessen politisch motivierter Vielstimmigkeit profitiert.
Was am Hof Karls des Großen bereits angelegt war, sollte in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausdifferenziert werden: Auf diesen Prozeß konzentriert sich der Vortrag. Er stellt den französischen Hof und mithin ein elaboriertes Wissens- und Machtzentrum, das als idealtypisch gelten darf, in den Mittelpunkt der Überlegungen. In Paris veranlaßte man die Übersetzung zahlreicher wissenschaftlicher Texte, trieb die Judifizierung der politischen Welt voran. Zugleich trennte man hier erstmals – etwa mit der Schaffung von Gremien wie Gericht und Parlament oder mit neuen Ämtern wie dem Lordsiegelbewahrer – vielerlei Bereiche und vollzog damit Differenzierungen, die ohne das vermehrte Wissen weder möglich noch nötig gewesen wäre. Wissen und Macht beeinflußten sich hier also gegenseitig, profitierten voneinander, ja sie waren ohne einander gar nicht zu denken.
Prof. Dr. Johannes Fried
Professor für die Mittelalterliche Geschichte
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Historisches Seminar
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte I
Grüneburgplatz 1
60629 Frankfurt
Tel: 069 798 32424 (Fax 25)
E-Mail: fried@em.uni-frankfurt.de
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