29.09.2005 :: Bonn Kunstmuseum :: Spiegelung und Projektion - Statement Rietschel
Geisteswissenschaft im Dialog ist ein Projekt mit Vergangenheit
Seit 1993 bemühen sich Experten, über die Wissenschaftsdiziplinen hinweg miteinander und mit dem breiten Publikum gesellschaftliche Beiträge der Geisteswissenschaften zu erörtern. Geisteswissenschaft im Dialog gab es schon, als in den Wissenschaftsorganisationen noch niemand an die kraftvolle Initiative Wissenschaft im Dialog dachte und sich im Bundesforschungsministerium niemand ausmalen konnte, einmal große Wissenschaftsjahre wie das Einsteinjahr zu gestalten. Die Reihe Geisteswissenschaft im Dialog war ihrer Zeit also voraus. Das gilt auch für die Themen: Die Zukunft der Mobilität oder Chancen und Gefahren der Nanotechnologie wagten einen Blick über die Gegenwart hinaus.
Ich bin stolz, daß die Leibniz-Gemeinschaft dazu beitragen konnte, diese wichtige Plattform des Dialogs zu pflegen. Und natürlich geht ein herzlicher Dank an das Bundesforschungsministerium, das durch sein finanzielles Engagement die Reihe erst möglich macht. Zwischen 2001 und 2004 waren wir als Juniorpartner der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften dabei. Mit der heutigen Veranstaltung haben wir die Rollen getauscht. Ich hoffe zuversichtlich, daß sich die Leibniz-Gemeinschaft der gewachsenen Verantwortung gewachsen erweist.
Geisteswissenschaft im Dialog ist ein Projekt in der Gegenwart
Über den aktuellen Abend, der mit Immanuel Kants großer Frage (Was ist der Mensch?) anhebt, will ich gar kein Wort verlieren. Das sollen die Experten tun. Aber es sei der Hinweis erlaubt, daß sich Geisteswissenschaft im Dialog räumlich geöffnet hat. Seien Sie also schon einmal herzlich eingeladen, am 25. Oktober in Mainz über Wissen, Macht und gesellschaftliche Eliten zu diskutieren und am 29. November in Leipzig der globalen Faszination klassischer Musik nachzuspüren.
Geisteswissenschaft im Dialog ist ein Projekt mit Zukunft
Für 2006 sind Abende in Berlin, Bonn, Frankfurt/Main und Warschau geplant. 2007 wollen wir eine Hauptrolle spielen. Dann soll auf die naturwissenschaftlichen Jahre der Wissenschaften ein Jahr der Geisteswissenschaften folgen. Die Leibniz-Gemeinschaft hat angeboten, die Aktivitäten zu koordinieren. Die geisteswissenschaftlichen Leibniz-Institute sind Feuer und Flamme. Wir stehen bereit.
Und hoffentlich nicht nur wir. Ich wünsche mir, daß die neue Bundesregierung den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit ebenso engagiert unterstützt wie ihre Vorgängerin.
Die Wissenschaft hat den Elfenbeinturm verlassen, sie ist auf dem Markt angekommen. Und hat zur Freude der Forscherinnen und Forscher dort ein. Noch allerdings ist der Dialog ein zartes Pflänzchen und kein kraftvoller Baum. Er bleibt noch ein wenig auf die Unterstützung des Bundesforschungsministeriums angewiesen.
Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Th. Rietschel
Direktor Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften, Borstel
Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft
Eduard Pflüger-Straße 55
55113 Bonn
Tel: 0228 308 150
Fax: 0228 308 152 55
http://www.leibniz-gemeinschaft.de
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