Apropos Evolution - Mensch - Sprache
Die Sprechfähigkeit des Menschen ist seiner Physiognomie geschuldet.
Daß Tiere nicht sprechen wurde im 18. Jahrhundert als Indiz für mangelnden Verstand und Empfindungsfähigkeit gewertet. Diese “Viehsionomik”-Debatte parodiert Georg Büchner in einer schönen und tiefgründigen Stelle im
“Woyzeck” (1836) aus:
DER BUDENBESITZER ein Pferd vorführend:
Zeig dein Talent! Zeig deine viehische Vernünftigkeit! Beschäme die menschliche Sozietät! Meine Herren, dies Tier, was Sie da sehn, Schwanz am Leib, auf seine vier Hufe, ist Mitglied von alle gelehrt Sozietät, ist Professor an unsre Universität, wo die Studente bei ihm reiten und schlagen lernen.
Das war einfacher Verstand.
Denk jetzt mit der doppelten Raison! Was machst du, wann du mit der doppelten Raison denkst? Ist unter der gelehrten Société da ein Esel?
Der Gaul schüttelt den Kopf.
Sehn Sie jetzt die doppelte Raison? Das ist Viehsionomik. Ja, das ist kein viehdummes Individuum, das ist ein Person, ein Mensch, ein tierischer Mensch – und doch ein Vieh, ein Bête.
Das Pferd führt sich ungebührlich auf.
So, beschäme die Société. Sehn Sie, das Vieh ist noch Natur, unideale Natur! Lernen Sie bei ihm! Fragen Sie den Arzt, es ist sonst höchst schädlich! Das hat geheißen: Mensch, sei natürlich! Du bist geschaffen aus Staub, Sand, Dreck. Willst du mehr sein als Staub, Sand, Dreck? – Sehn Sie, was Vernunft: es kann rechnen und kann doch nit an den Fingern herzählen. Warum? Kann sich nur nit ausdrücken, nur nit explizieren, ist ein verwandelter Mensch.
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