29.09.2005 :: Bonn Kunstmuseum :: Spiegelung und Projektion - Statement Weigel
Perspektiven philologisch-kulturwissenschaftlicher Forschung
Gegenstand einer Kulturwissenschaft auf philologischer Grundlage ist die je spezifische Weise, in der – historisch, geographisch oder sprachlich differente – Kulturen Wissen und Erfahrungen herstellen, darstellen und überliefern. Im Zentrum stehen dabei die Medien und Praktiken, mit denen die Menschen – bewußt oder unwillkürlich – Bedeutungen artikulieren und tragen: durch Gebärden, Schrift und andere Symbolsysteme, technische Medien etc.
Die Literatur wird dabei als eine herausragende Form des kulturellen Gedächtnisses betrachtet, weil in ihr nicht nur Wissen und Erfahrungen einer bestimmten historischen Situation be- und verhandelt werden, sondern auch die Affekte und Wünsche, die Imaginationen und Entwürfe, mit denen die Menschen auf Ereignisse und soziale, technische und wissenschaftliche Neuerungen antworten.
Im Unterschied zu Universalien und Zeichensystemen aus Daten/Codes sind die Bedeutungs- und Symbolsysteme, die die Kulturwissenschaft untersucht,
(1) komplex, mehrdeutig und figurativ/bildlich strukturiert,
(2) historisch wandelbar und durch Kulturtechniken und technische Medien geprägt,
(3) oft durch die Distribution und Überlieferung verderbt oder entstellt. Für die Analyse solch komplexer Bedeutungen wurden Methoden entwickelt wie Textkritik, Metaphorik, Rhetorik, Ikonographie, Narrativik etc.
Prof. Dr. Dr. h.c. Sigrid Weigel
Professorin für Literaturwissenschaft, TU-Berlin
Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung
Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V.
Schützenstr. 18
10117 Berlin
Tel. 030 201 92 173 (Fax 154)
E-Mail: litera@zfl.gwz-berlin.de
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